1 JAHR SEELOTSE
Die Fotocollage (klick aufs Bild zur Grossansicht) versucht bildhaft meine Gedankengänge darzustellen:
Links oben beginnend im Uhrzeigersinn:
Es ist nicht möglich, immer den richtigen Ton zu finden, das alle damit zufrieden sind. Dazu sind wir zu verschieden und die Beteiligten kennen sich anfänglich zu wenig. Die Griffe sind jedes Mal anders und der Klang wechselt in jeder neuen Situation. Ich stehe häufig in der Brandung und werfe meine akustische CQ Angel in den Atlantik aus und hoffe eine Brücke schlagen zu können, über das große Wasser, um meine Schäfchen zusammenzuhalten. Dabei gilt es, einige Hürden verschiedenster Art zu nehmen und sich zu wehren gegen akustische Mitnutzer (Stationen), sei es in Contesten oder nur Fremdnutzungen auf der eigentlich für uns maritimen Funker vorbehaltenen Frequenz. Die große Antenne hilft dabei, sich trotzdem Gehör zu verschaffen. Aber meist können wir die QRG im ruhigen Wasser nutzen, ohne allzu viel Wellen zu schlagen.
Aufwand: tägliche Präsenz während der Hauptsaison Nov – Mai für knapp 2 Std. von der Stimme am Funk, tägliche Nacharbeit von unserer Webfee – riesigen Dank an Feli, ohne dich wären wir hoffnungslos verloren (will gar nicht wissen, wieviel Zeit du täglich investierst) – nicht zuletzt Internetlösungen von unserem Softwareeinrichter.
Erfolg: bummelig 50 000 Klicks auf unserer Site angefangen am 7.4.2009 bei null, endend heute mit gut 300 Zugriffen täglich. Kann nicht genau sagen, was zu diesen Zugriffzahlen führte, aber wir scheinen nicht ganz falsch zu liegen mit unserem Stil der Aussendungen, mit der Art und Weise der Internetdarstellung und mit der Pflege der Segelkontakte, nicht zu vergessen durch die treue Teilnahme aller nicht mobilen Funkhäuser, ohne die die Dynamik der Gespräche gefehlt hätte.
Mein persönlicher Alptraum: 30 min Geschnatter in den Äther, ohne irgendeine Rückmeldung.
Nutzen: Die Segler, Amateurfunkinteressierten und Segelangehörigen werden täglich informiert und können sich über alle Ereignisse der Szene auf dem Laufenden halten. Zukünftig Lizensierte erhalten Infos zu Funkabläufen und Lerninhalten. Mein Wunsch, Amateurfunk näher zubringen, hat wohl Ergebnisse gezeigt.
Es ist etwas Neues entstanden : Eine Informations- und Meinungsaustauschbühne für unsere Szene, die bisher eher doktriniert oder dirigierend geformt wurde. Endlich können sich alle offen daran beteiligen und es geschieht auch; allerdings noch fast zu wenig – für meine Vorstellung.
Belastung: Meine Familie ist wohl eher belastet durch mich – durch die regelmäßigen Sendungen – als ich selbst… Die Kinder stempeln mich zum PCabhängigen. Und letztes Jahr, als Wolfgang AF6IO und Rudi DH3PP (meine PR Manager wider Willen) ihre Masten verloren hatten ,war hier Mail- und Telefon Rushhour und sie fühlten sich vernachlässigt, zu Recht. Aber manchmal ging eine Tankstelle auf dem Atlantik halt vor. Obwohl…angekommen wären sie so oder so, vielleicht nur etwas später und ohne so viel Publikum. Aber dann hätten wir das unvergessliche Azoren-Seglertreffen nicht erlebt, ich hätte der Galebcrew nicht als erstes eine Tüte Croissants in die Hand drücken können. Peter’s Café Sport, die ganzen Segler aus der Funkbegleitung mal persönlich kennenzulernen und neu einzuschätzen. Unvergesslich! Die Fotos erzählen nur einen Teil davon, zwischen den Zeilen war unheimlich viel mehr zu lesen, sowohl als auch!
Schnattern: Wetter ist das A + O des Seglerinteressierten, aber es steht eigentlich ein ganz anderes Bedürfnis dahinter: Das Gespräch, das Mitteilungsbedürfnis aller, die sich am Funk aktiv beteiligen, oder auch nur zuhören. Das Jonglieren mit unser aller Fähigkeiten und Unvermögen, die Situation zu formen, zu retten oder zu patzen. Habe viel dazugelernt – auch mit Fehlentscheidungen umzugehen, meine Empfindsamkeit zu leiden und dazuzulernen. Immer die große Klappe voran ist easy, einstecken tat jedoch manchmal weh. Ich lebe noch und es macht immer wieder jeden Morgen / Abend Spass, auch weil ich nie weiß, was in den Sendungen alles auf mich zukommt.
Connecten: Habe mich nie als der mit der roten Mütze verstanden, obwohl es manchmal nicht ausbleibt, die Runde etwas zu steuern; aber mein Ansinnen, die Teilnehmer zu verbinden, lag und liegt mir immer noch am Herzen. Wenn nicht jeder das Gefühl hat, etwas mitmachen zu dürfen – ohne Euch geht das gar nicht – nimmt keiner Anteil daran und die Session stirbt langsam. Und wenn ich während des Netzes Euch mal in Eurem Miteinander zuhören kann – wenn es endlich alleine unter Euch weiterläuft – dann sitze ich lächelnd auf meinem Hocker und freue mich über diese Eigendynamik – That’s It! Dann habe ich was richtig gelenkt.
Zukunft : Habe keine Vorstellung was daraus werden soll, viele Dinge entwickeln sich von selbst – wie man sieht – der analoge Mensch am Funk gegenüber – wird immer mein Schwerpunkt sein.
Die Vokabel „gegeneinander“ ist mir inzwischen fremd geworden, nur miteinander können wir Freu(n)de gewinnen.
Früher glaubte ich, vieles zu wissen! Heute überschaue ich, wie wenig wir wissen. Jeder Tag ist ein Zugewinn an Erfahrung. Die schlechten vergessen wir hoffentlich schnell, die guten bleiben in schöner Erinnerung!
Die Sommerpause ab Juni mit Reiseberichten gibt mir wieder Auftrieb und Motivation, die aktive Saison im November zur ARC starten zu können.
Vor 2 Silvestern wusste ich noch nicht, wie man Sehlotse schreipt
- heute bin ich einen ! Und ich würde es wieder tun!
Cristóbal

